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Gletscherskifahren in Sölden

Mit dem Skifahren vor der Haustür hat es in diesem Jahr mangels Schnee leider nicht mehr geklappt. Mit Sölden als Reiseziel wollten wir daher ganz auf Nummer sicher gehen. Doch auch auf der Fahrt durch das Ötztal hinauf nach Sölden auf über 1.300 m lässt der Schnee lange auf sich warten. Statt schneebedeckter Hänge fahren wir an grünen Almwiesen vorbei. Auch bei Temperaturen von über 10 Grad will noch keine richtige Winterstimmung aufkommen.

Glücklicherweise bietet Sölden aber mit dem Rettenbach- und Tiefenbachgletscher und einem Skigebiet bis auf 3.000 m auch für einen „Winter“ wie diesen eine Menge schneesicherer Pistenkilometer.

Sölden, das ist einer der größten Skizirkusse in den Alpen: Auf den Pisten gibt es Ski-Entertainment mit Fun- und Snowparks, Nachtskilauf, etc. bis zum Abwinken. Im Ort selbst ist von der Ursprünglichkeit eines Tiroler Bergdorfes natürlich auch nicht mehr viel übrig. Ab dem frühen Nachmittag ist in den Schirmbars und Apres Ski-Hütten Mallorca-Atmosphäre mit internationalem Publikum angesagt – dieses Jahr sogar bei passenden Temperaturen.2016 02 21_7940

 

Daneben ist Sölden aber auch eines der wohl am besten ausgebauten Skigebiete mit einer perfekten Infrastruktur: Modernste Liftanlagen – häufig Kabinenbahnen – bis in die letzte Gletscherecke. Mit der Gaislachkoglbahn und der Giggijochbahn starten gleich zwei Bergbahen mit Talstation direkt im Ort. Während man mit der Giggijochbahn auf direktem Wege in den zentraleren Bereich des Skigebiets gelangt, spart man bei der Gaislachkoglbahn gerade zu den Stoßzeiten morgens einige Minuten beim Anstehen. Zwei einzigartige Gletscherskigebiete bieten tolle Pisten, die teilweise so breit wie andernorts die Abfahrten lang sind. Dazu ein dichtes Netz an Skiverleih-Stationen und Skischulen im Ort wie oben am Berg.

Sölden Gletscher

Aber ist Sölden wirklich das richtige Skigebiet für Familien mit kleinen Kindern?

Das Apres Ski-Angebot ist hierfür wohl eher nicht das entscheidende Kriterium. Konzentrieren wir uns also mal ganz auf das Skifahren. Das sollte man auch tun, um einen Skiurlaub in Sölden mit Kindern zu genießen. Denn wer einen idyllisch-ursprünglichen Ort sucht, um nach einem halben Tag auf der Piste die Ruhe zu genießen, ist hier sicher falsch. Wem es aber darum geht, möglichst viel Zeit am Tag auf den Brettern zu verbringen und dabei den Aufwand für alles Drumherum wie Skier ausleichen, Skischule finden, etc. so gering wie möglich zu halten, für den ist Sölden auch für einen Familien-Skiurlaub ein Top Ziel.

Die Wege im Ort sind kurz und die meisten Unterkünfte fußläufig von einer der beiden Bergbahnen entfernt. Ansonsten gibt es auch ein gutes Skibus-Netz. An jeder Ecke kann man sich seine Skiausrüstung leihen oder einen Skikurs buchen. Besonders stressfrei ist der Start in den Skiurlaub wenn man die Skiausrüstung vorab online reserviert und am Vorabend des 1. Skitages in aller Ruhe abholt.

Wenn es dann nach all der Vorbereitung endlich auf die Piste geht, zeigt sich Sölden von seiner besten Seite. Vor allem die beiden Gletscherskigebiete am Rettenbach- und Tiefenbachgletscher bieten Skivergnügen pur, auch und gerade für Kinder, die schon etwas Skifahren können. Warum sollen sie sich auf den Übungshängen im Tal langweilen und nicht auch das beeindruckende Gletscherpanorama genießen? Los geht es schon mit der Fahrt durch den Gletschtunnel, der die beiden Skigebiete miteinander verbindet und für Kinder ein spannendes Erlebnis ist.

Sölden Gletschertunnel

Die Gletscherpisten – vor allem auf dem Tiefenbachgletscher – sind meistens blaue Abfahrten mit geringem Gefälle und ebenem Profil. Und dann erst der Schnee: Keine vereisten, ausgefahrenen Stellen wie auf der Talabfahrt, sondern herrlich griffiger Schnee, manchmal sogar mit einer leichten Puderoberfläche. Hier ist wirklich jeder Schwung ein Genuß und vor allem ist der Kraftaufwand deutlich geringer als bei anderen Pistenverhältnissen. Für die notwendigen Pausen mit den kleinen Skiläufern gibt es auch hier oben auf 3.000 m genug Verpflegungsmöglichkeiten.

In Sölden ist alles etwas größer: Die Berge, das Skigebiet, das Apres Ski-Angebot, usw. Wer sich aber nicht an dem ganzen Halligalli stört und mit den Kindern die Möglichkeiten eines wirklich tollen Skigebiets voll auskosten möchte, der wird auch in Sölden schöne Skitage mit Kindern verbringen.

Ob man letztlich so ein XXL-Skigebiet einem kleineren und etwas ruhigerem Skigebiet vorzieht ist eine persönliche Geschmacksfrage. Eine grundsätzliche Frage ist dagegen, wie nachhaltig diese Art von Massen-Skitourismus überhaupt ist. Aber das ist ein anderes Thema für einen separaten Blog-Post.

 

 

 

 

 

Buchtipp: Palalu die Zauberkuh

Es gibt ja immer wieder Phasen in denen es mit dem Reisen in die richtige Welt zeitlich nicht klappt. Die beste Ersatzdroge für das Reisefieber sind meiner Meinung nach noch immer Bücher. Dies gilt für Kinder wie für Erwachsene gleichermaßen. Es müssen auch nicht unbedingt Reiseführer sein, sondern alle Bücher die uns mit Geschichten und Bildern für kurze Zeit in einer andere Welt führen.

Ein Buch dem das vor allem aufgrund seiner phantasievollen Illustrationen gelingt, ist das Kinderbuch Paluh – Die Zauberkuh. Die in lustigen Reimen erzählte Geschichte handelt von dem kleinen Mädchen Anneliese, das sich im Wiesenland verirrt und mit Hilfe der Zauberkuh Palalu schließlich ihre Mutter wieder findet.

Neben der erzählten Geschichte führen den Leser vor allem die Bilder mit ihren bunten und intensiven Farben in stimmungsvolle Traumwelten.

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Autorin und Illustratorin dieses Kinderbuches bringen aus ihren Lebensläufen ganz unterschiedliche kulturuelle Einflüsse mit, die auch in der Geschichte und den Bildern von Anneliese und der Zauberkuh zum Ausdruck kommen.

Das Ergebnis ist ein unkonventionelles, frisches und buntes Buch für Kinder ab 2 Jahren, das auch Erwachsene für kurze Zeit in andere Phantasiewelten verreisen lässt.

Palalu die Zauberkuh ist erschienen im Taugenichts Verlag und kostet als gebundene Ausgabe 14,95 EUR.

 

 

Skifahren und Nachhaltigkeit – Ein paar selbstkritische Gedanken

Wir stehen dicht gedrängt in einer riesigen Halle. Nur Schritt für Schritt geht es zwischen den hohen Betonpfeilern voran. Elektrisch gesteuerte Drehkreuze blinken und piepen. Auf einer riesigen Leinwand über uns laufen Kurzfilme und Werbespots, um die Wartezeit zu überbrücken.

Flughafen? Bahnhofshalle? Nein, ich befinde mich auf 2.100 Metern in der Mittelstation der Gaislachkoglbahn und warte darauf, mit der Kabinenbahn auf den 3.000 Metern hohen Gipfel zu schweben. Hochalpines Gelände also, dort wo die Luft schon langsam etwas dünner und die Bedingungen für uns Zivilisationsgewöhnte eigentlich immer widriger werden. Die automatischen Türen der Kabinenbahn öffnen sich und ich lasse mich in die bequem gepolsterten Sitze fallen. Auf der Fahrt noch oben kommen mir ein paar Gedanken:

Wie werden diese ganzen Anlagen hier oben eigentlich gebaut?

Wie sah es hier wohl vorher aus?

Wieviel Erde musste für den Bau abtragen werden und wohin?

Wer hat das ganze Material eigentlich hier hochgeschafft und womit?

So richtig zufriedenstellende Antworten fallen mir in den wenigen Minuten bis zum Gipfel  nicht ein. Ich nutze diese ausgezeichnete Infrastruktur hier oben ganz selbstverständlich. Klar, schließlich habe ich mit meinem Skipass ja auch ordentlich dafür bezahlt. Aber ich habe überhaupt keine Ahnung auf welche Weise sie entstanden ist, was hier vorher war und welche Auswirkungen auf die Bergwelt sie hat. Bisher habe ich mir diese Fragen noch nicht einmal gestellt.

Oben auf dem schmalen Gipfelplateau peitscht mir der kalten Wind den Schnee ins Gesicht. Die Natur scheint mir klarzumachen: Hier oben auf 3.000 Meter bin ich der Stärkere. Ich flüchte mich in das Panorama-Restaurant, das einen tollen Rundum-Blick über die gesamte Bergwelt bietet. Hier kann ich im Warmen meinen Cappuccino genießen und hinter den großen Fenster die Naturgewalten beobachten. Aber auch hier wollen mir einige Gedanken den schönen Skitag vermiesen:

So eine große Speisekarte. Wie kommt das alles hier rauf? Was für ein Aufwand ist das?

Wo kommt eigentlich die ganze Energie für Heizen, Kochen und Licht her? Wo kommt das Wasser her und wo geht es hin?

Wieviel Müll wird hier eigentlich jeden Tag produziert?

Jemand der technisch etwas versierter ist als ich, hätte wahrscheinlich die richtigen Antworten gleich parat. Ich bleibe mit meinen Fragen aber wieder mehr oder weniger allein.

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Ich schnalle meine Skier an. Nach den ersten Schwüngen auf der perfekt präparierten Piste – die Pistenraupen und Schneekanonen haben über Nacht ganze Arbeit geleistet – verfliegen all diese Gedanken. Ich genieße die Abfahrt in vollen Zügen. Bisher macht mir das Skifahren viel zu viel Spaß, als dass ich auf die Idee käme, mich hier freiwillig zu beschränken. Aber in letzter Zeit bleibt immer öfter ein komisches Gefühl. Ein Gefühl, dass hier irgendetwas nicht mehr ganz zusammen passt.

Die Winter werden wärmer und die schneesichere Zeit immer kürzer. Gleichzeitig haben die großen Skigebiete in den Alpen in den letzten Jahren massiv in den Ausbau ihrer Lifte, Pisten und Beschneiungsanlagen investiert. Es werden immer neue Superlative ausgerufen. Jeder muss noch etwas mehr bieten, um sich im Wettbewerb der Destinationen hervor zu heben.

Ich habe in einer Zeit mit dem Skifahren begonnen als es noch keine beheizten Sessellifte gab und man noch von einem ratternden Schlepplift eine endlose Liftspur hochgezogen wurde. Fast fühlte man sich auf einer alpinen Expedition fernab der Zivilisation, bis dann irgendwann am Ende der Lifttrasse eine kleine Holzhütte auftauchte. Heute wird man bei jedem Liftausstieg mit Hinweisen auf das nächste kulinarische Angebot empfangen.

Ich haben den Eindruck, dass je offensichtlicher der Klimawandel ist, desto weiter werden die Skigebiete ausgebaut, die Skisaison bis in den Mai verlängert, noch mehr Schneekanonen aufgestellt. Der Vergleich mit den Finanzmärkten kurz vor dem Crash drängt sich auf: Keiner will aufhöhren zu tanzen solange die Musik spielt, aber alle wissen, dass die Party jeden Augenblick vorbei ist.

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Aber was heißt das für mich? Ist Skifahren noch zeitgemäß? Muss ich für ein gutes Gewissen mein Hobby aufgeben so wie der Vegetarier den Fleischkonsum? Oder gibt es vielleicht auch Möglichkeiten etwas „nachhaltiger“ Ski zu fahren? Praktisch einen Bio-Ansatz für den Wintersport.

Viel gehört habe ich bisher noch nicht über die Kombination aus Skifahren und Nachhaltigkeit. Leider gibt es auch noch kein offizielles und weithin bekanntes Siegel für umweltfreundliche Skigebiete, das es einem leicht machen würde sein Skigebiet nach umweltfreundlichen Kriterien zu wählen. Es ist also etwas mehr Mühe nötig, um sich diesem Thema zu nähern. Aber beim genaueren Hinschauen gibt es tatsächlich Ansätze, die einen nachhaltigeren Skitourismus zum Ziel haben. Ein Beispiel hierfür ist Alpine Pearls, ein Zusammenschluss aus 25 Skigebieten, die sich vor allem umweltschonende Mobilität auf die Fahnen geschrieben haben. Darunter finden sich durchaus einige klangvolle Namen wie z.B. Arosa in der Schweiz. Die Initiative pro natura – pro ski führt ein Skigebiet-Audit durch und vergibt einen Award für besonders umweltverträgliche Konzepte.

Zwar wird das Thema Nachhaltigkeit im Skitourismus sicher noch nicht groß geschrieben und steht noch im Schatten des allgemeinen „Größer – Schneller – Weiter“ vieler Skigebiete. Aber es ist auch nicht so,  dass sich nichts bewegt. Bleibt zu hoffen, dass die Betreibern der Skigebiet erkennen, dass die Natur das Kapital ihres Geschäftes ist, das es auch über den nächsten Winter hinaus zu bewahren gilt. Uns als Ski-Konsumenten sollte bewusst sein, dass wir mit unserer bewussten Entscheidung wo wir Skifahren und wo nicht Einfluss haben und ein Umdenken bewirken können.

 

 

Bucht von Cala Santanyi

Familienurlaub 2016: Was bieten die Pauschalreise-Veranstalter?

Was haben eigentlich alle gegen die klassische Pauschalreise? Auf den meisten Reiseblogs spielt sie jedenfalls keine Rolle. Kids-Trips hat da bisher keine Ausnahme gemacht. Auch wir waren auf unseren Reisen ja bisher eher im Wohnmobil, mit dem Fahrrad, in der Jugendherberge oder sonst wie auf eigene Faust unterwegs. Das wird wohl auch zukünftig so bleiben.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass es für einen Familienreise-Blog keinen Grund gibt, einen großen Bogen um das Thema Pauschalurlaub zu machen. Denn sind wir doch mal ehrlich: nicht immer möchte man seine knappe Zeit in die langwierige Recherche und Vorbereitung einer Individualreise investieren. Um für eine Woche ohne großen Aufwand dem Alltagstress zu entkommen, ist die Pauschalreise für viele Familien noch immer die erste Wahl.

Nach der Vorstellung der Anbieter von Familienreisen im letzten Jahr, interessiert mich daher diesmal, welche Angebote TUI & Co. in diesem Jahr für Familien mit Kindern bereithalten.

Bucht von Cala Santanyi

TUI als größter Reiseveranstalter in Deutschland bietet mit den Hotelmarken Family Life und best Family gleich zwei Urlaubskonzepte für Familien, die sich allerdings deutlich voneinander unterscheiden. So umfasst Family Life ausgewählte 4-5 Sterne-Hotels überwiegend im östlichen Mittelmeer und ist eher als Premium-Marke zu sehen. Das Konzept ist auch nicht primär auf Familien mit kleineren Kindern ausgerichtet, sondern auf „Familien aller Generationen“. Kinderbetreuung gibt es dementsprechend in verschiedenen Altersgruppen von 0 bis 15 Jahren.

Die best Familiy-Hotels sind dagegen ganz auf Familien ausgerichtete all inclusive-Hotels mit einem Rundum-Programm für Kinder. Alle Häuser bieten deutschsprachige Kinderbetreuung, liegen direkt am Strand oder verfügen über einen Aquapark und bieten Familienzimmer mit separaten Schlafräumen. Bei den Reisezielen gibt es eine deutlich größere Auswahl als bei Family Life. Neben den üblichen Zielen in Spanien, Griechenland und der Türkei stehen Äqypten, Kroatien, Bulgarien und auch Österreich und Deutschland zur Auswahl.

Ein vergleichbares Angebot hat der zweite große Pauschalreisenanbieter Neckermann Reisen mit seinem Family Garden im Programm. Insgesamt 30 Familienhotels bieten hier auf den Kanaren und den gängigen Mittelmeerzielen relativ günstigen Familienurlaub mit umfangreichen Betreuungs- und Animationsangeboten.

DER Touristik als dritter im Bunde der großen Reiseveranstalter in Deutschland bietet u.a. mit den Marken ITS, Jahn Reisen und DERTour ein sehr abwechslungsreiches Programm. Das breiteste Angebot an Pauschalreisen für Familien bietet dabei ITS. An Reisezielen ist von Mittelmeer bis Übersee eigentlich alles dabei was für einen Badeurlaub in Frage kommt. Die Hotels liegen überwiegend im 4-Sterne-Segement und verfügen vielfach über Kinderbetreuung und all-inclusive-Angebote. Mit Club Calimera und PrimaSol Hotels bietet ITS darüber hinaus eigene Club- bzw. Hotelanlagen, die ebenfalls stark auf Familien ausgerichtet sind. Interessant ist vor allem das Angebot einer Schwimmschule für Kinder ab 4 Jahren in einigen der Clubs Calimera.

Von dem breiten Pauschalangebot von ITS hebt sich Jahn Reisen als Veranstalter, der nach eigener Aussage Urlaub für die „gehobenen Ansprüche“ bietet, etwas ab.  Auch wenn die Zielgruppe eher bei den sogenannten Genuss- und Wellnessurlaubern liegt, lohnt ein Blick in die Kategorie Familienwelten. Diese bietet auch ausgewählte Familienhotels mit Kinderbetreuung. Der regionale Schwerpunkt liegt auf den Balearen, Kanaren und der Türkei. Die Preise sind sehr unterschiedlich. Je nach Reiseziel lässt sich also auch hier ein günstiges Angebot finden.

Kein Pauschalreiseveranstalter im klassischen Sinn ist DERTour. Dementsprechend bietet der Spezialist für Baustein- und Individualreisen in seinem Katalog Familienurlaub auch eine Reihe etwas anderer Familienreisen jenseits der klassischen Mittelmeerziele. Der Schwerpunkt liegt auf Hotels und Ferienparks in Deutschland, Österreich und Holland. Daneben gibt es mit Familie Aktiv und Familie in der City aber auch Aktivurlaub wie z.B. Kanutouren durch Schweden bzw. familiengerechte Städtetouren u.a. nach Amsterdam, London, Paris oder Wien.

Wer sich nicht um Anreise und Unterkunft separat kümmern möchte, findet wiederum bei FTI Touristik unter der Themenwelt FTI Family ein sehr großes Angebot an Hotels, die auf Familien mit Kindern oder sogar Babys ausgerichtet sind. Die Besonderheit bei FTI ist, dass neben den Dauerbrennern wie Türkei, Balearen und Griechenland auch etwas ausgefallenere Reiseziele wie Brasilien, Oman oder Kuba im Angebot sind.

Und wie fällt am Ende das Fazit über das Angebot an Familienpauschalreisen aus?

Zunächst mal sind Familien mit Kindern offensichtlich eine wichtige Zielgruppe für die Reiseveranstalter. So gibt es fast in allen Programmen separate Kategorien für Familienreisen, in denen überwiegend Hotels mit den üblichen Familienkriterien wie Kinderbetreuung oder Familienzimmer angeboten werden.

Außerdem habe ich festgestellt, dass auch Pauschalreise nicht gleich Pauschalreise ist. Das Spektrum reicht vom günstigen, all-inclusive, Rundum-Sorglos-Paket bis zum individuellen aber auch höherpreisigen Hotel oder Club. Letztlich sollte also für (fast) jeden etwas dabei sein.

Kids-Trips wünscht euch viel Spaß beim Planen und Verreisen!

 

 

Städtetrips mit Kids: Kopenhagen und Stockholm

Der Touristenbus in Richtung Stadtzentrum startet seine Tour direkt vor unserem Wohnmobilstellplatz City Camp mitten im Industriehafen. Es ist ein sonniger Sonntagmorgen in Kopenhagen. Am Christiansborg Schloss – das heute Parlaments- und Regierungssitz ist – steigen wir aus und gehen über die Torvegade-Brücke zu Fuß in das Viertel Christianshavn.

Um diese Uhrzeit haben wir Christianshavn noch fast für uns allein. Wir schlendern einen der vielen Kanäle entlang und genießen die Stille und das langsame Erwachen der Stadt. Neben uns sind vor allem einige Frühsportler als Jogger auf der Straße oder in Kanus auf dem Wasser unterwegs. An einigen Straßencafés werden die ersten Stühle vor die Tür gestellt.

Christianshavn ist ein typisches urban-alternatives Viertel – ganz nach unserem persönlichen Geschmack.  Wer es noch alternativer mag, sollte den Weg etwas weiter bis zur Freistadt Christiana fortsetzen. Dabei handelt es sich um eine autonome Wohnsiedlung auf einem ehemaligen Militärgelände, die von der Stadt nun schon seit 1971 geduldet wird und sich mittlerweile zu einer Touristenattraktion entwickelt hat.

Kopenhagen strahlt an diesem Sonntagmorgen eine lässig-entspannte Stimmung aus. Diese überträgt sich auch auf uns und unsere Kinder. Kein Stress, kein Streit, keine Ungeduld obwohl wir ohne konkretes Ziel unterwegs sind.

Kristianshavn, Kopenhaben

Christianshavn Kopenhagen

Ein paar Tage später, gleiche Zeit, eine andere Stadt: In Stockholm haben wir einen Campingplatz etwas außerhalb der Stadt in Bredäng aber dafür direkt am Ufer des Mälarensee gefunden. Mit der U-Bahn sind es 15 Minuten bis ins Zentrum, wo wir mitten auf der Altstadtinsel Gamla Stan aussteigen. Gamla Stan, das sich als Insel zwischen Mälarensee und Ostsee schiebt, wirkt zunächst mal gar nicht skandinavisch. Die engen Gassen, das Kopfsteinpflaster und die mittelalterlichen Kirchen erinnern an so manche historische Altstadt in Deutschland. Kein Wunder, schließlich haben sich hier in Gamla Stan in den ersten Jahren nach der Stadtgründung deutsche Kaufleute der Hanse niedergelassen und das Stadtbild mit geprägt. Heute, viele Jahre später sind auch viele Deutsche da, die sich mit anderen Touristen – vor allem aus China – durch die engen Gassen drängen. Vor allem um den Stortorget herum, den mittelalterlichen Marktplatz mit dem Nobelmuseum, wird es richtig voll. Wir holpern mit unserem Kinderwagen über das Kopfsteinpflaster und versuchen, uns durch die Menschenmengen zu schlängeln. Direkt um die Ecke in einer der engen Nebengassen ist man dann plötzlich fast für sich allein und kann die Schönheit der Altstadt in Ruhe wahrnehmen.

Gamla Stan

Gamla Stan Stockholm

Aber der Moment der Stille hält nicht lange an. Die Kinder langweilen sich, wollen weiter. Wir entscheiden uns für die Wachablösung am königlichen Schloss, die täglich um die Mittagszeit stattfindet. Der Weg dorthin ist nicht weit. Für einen Platz mit Sicht sind wir trotzdem zu spät. Nach einer halben Stunde Beine in den Bauch stehen und 20 kg auf den Schultern habe ich zwar nicht viel gesehen, aber genug gehört. Die ganze Zeremonie erinnert zum Abschluss fast an ein Platzkonzert im Kurpark. Es ist höchste Zeit für eine Essenspause. Natürlich kommt es wie es in solchen Situationen immer kommt: Trotz unzähliger Möglichkeiten laufen wir durch die Straßen und finden nichts. Die Stimmung droht zu kippen und in unserer Not flüchten wir uns in das nächstbeste Restaurant. Das mittelmäßige Essen wird dann genauso wenig entspannt wie der bisherige Verlauf unseres heutigen Städtetrips.

Zurück in Kopenhagen. Nach unserem Morgenspaziergang durch Christianshavn ist es Zeit für eine Busfahrt. Aber nicht auf der Straße, sondern auf dem Wasser. In Kopenhagen sind die Schiffsverbindungen ein wichtiger Teil des öffentlichen Nahverkehrs. Für Kinder eine besondere Attraktion.

Wasserbus in Kopenhagen

Viel zu schnell, an der nächsten Haltestelle „Nyhavn“ steigen wir allerdings schon wieder aus. In einem der unzähligen Fischrestaurants direkt am Wasser gönnen wir uns heute mit Smörebröd und Hering eine willkommene Abwechslung von unserer täglichen Camping-Küche auf unserer Wohnmobiltour.

Nyhavn, Kopenhagen

Nyhavn, Kopenhagen

Vom Nyhavn sind es dann nur wenige Meter bis zum Schloss Amalienborg. Die Kinder bestaunen mit Sicherheitsabstand die bewaffneten und finster blickenden Palastwachen. Wir überlegen in der Zwischenzeit ob es sich lohnt für die kleine Meerjungfrau noch einen Umweg in Kauf zu nehmen. Letztlich machen wir uns entlang der Hafenpromenade auf den Weg. Die Kinder ziehen auch nach einem ganzen Tag Stadtrundgang immer noch super mit. Es gibt Tage da klappt einfach alles. Oder ist es tatsächlich diese entspannte, maritime Atmosphäre Kopenhagens?

In Stockholm sind wir auf der Suche nach dem richtigen Schiffsanleger, um von Östermalm zur Museumsinsel Djurgarden hinüberzufahren. Mittlerweile regnet es in Strömen. Auf Djurgarden gibt es eigentlich alles was einen bisher verkorksten Städtetrip retten kann: Das Freilichtmuseum Skansen, das weltberühmt Wasa-Museum, den Astrid Lindgren-Park Junibaken, den Freizeitpark Grönalund und das Abba-Museum. Hier könnten wir einige Tage verbringen. Heute entscheiden wir uns für das Wasa-Museum. Eine gute Wahl wie sich rausstellen sollte. Das Museum ist sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene sehr interessant. Neben der imposanten Ausstellung des Originalschiffes aus dem 17. Jahrhundert, das nur wenige hundert Meter von hier im Hafen gesunken ist, stellt die Ausstellung viele Geschichten rund um das Schiff, seine Erbauer und seine Passagiere anschaulich dar.

Vasa Museum

Als wir dann aus dem dunklen Museumsgebäude wieder ins Freie kommen, erwartet uns blauer Himmel und Sonne. Kurz später sind wir wieder auf dem Wasser. Das Schiff verlässt Djurgarden mit den Türmen und dem Achterbahnnetz des Freizeitparks, vorbei an Södermalm, dem urbanen Jugendstilviertel und steuert in Richtung der mittelalterlichen Altstadt Gamla Stan. Um uns herum Möwen, frischer Wind, Segelboote und ganz viel Wasser. Spätestens jetzt sind wir auch mit Stockholm wieder versöhnt.

Gröna Lund Djurgarden

Kastellholmen Stockholm

Gamla Stan Stockholm

Was ist also das Rezept für einen gelungenen Städtetrip mit Kindern? Wir wissen es auch nach unseren beiden Tagestouren durch Kopenhagen und Stockholm immer noch nicht. Während wir in Kopenhagen mit gutgelaunten Kindern einen sonningen Tag verbrachten, sehnten wir uns in Stockholm die meiste Zeit danach, eine Stadt mal wieder zu zweit zu entdecken. An dem Reiseziel lag es jedenfalls nicht. Beide Städte sind außerordentlich familien- und kinderfreundlich. Für eine Städtetour mit Kindern möchten wir euch beide Städte daher ausdrücklich empfehlen.

Aber auch nach unserem Stockholm-Tag sind wir der Überzeugung, dass Städtetouren und Kinder sehr gut zusammenpassen. Zwischen Bauernhof- und Familienhotelaufenthalten braucht man einfach auch mal wieder andere Eindrücke und Reize oder möchte mal wieder ein Museum von innen sehen. Deshalb sind Städtetrips mit unseren Kindern auch künftig fester Bestandteil der Reiseplanungen.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Was sind eure Tipps für eine gelungene Städtetour mit Kindern? Auf welche Weise entdeckt ihr am liebsten einen neue Stadt mit euren Kindern? Ich freue mich über eure Kommentare.

Warum ihr #bloggerfuerfluechtlinge unterstützen solltet

Zwischen den Artikeln von unserer Schweden-Tour gibt es heute mal ein ganz anderes Thema, das aber leider viel wichtiger ist als das übrige Freizeitvergnügen über das ich hier sonst so schreibe.

Unter #bloggerfuerfluechtlinge haben sich Blogger zusammengeschlossen, um Spenden für Flüchtlinge zu sammeln aber vor allem um Flagge zu zeigen gegen den Hass, der vielen Flüchtlingen auf der Straße und im Netz mittlerweile entgegenschlägt. Auf diese Initiative möchte ich euch gerne hinweisen und um eure Unterstützung werben:

http://www.blogger-fuer-fluechtlinge.de/spenden/geld-spenden/

Aber passt dieses Statement überhaupt auf ein unpolitisches Freizeit-Blog wie Kids-Trips?

Ja, es passt genau hierhin!

Immer wieder wurde in letzter Zeit beklagt, dass wir in einer unpolitischen Zeit leben in der jeder mehr mit sich selbst als mit wichtigen gesellschaftlichen Fragen beschäftigt ist. Die Welt ist zu kompliziert geworden, um eindeutig Position zu beziehen und für oder gegen etwas zu sein.

Spätestens seit diesem Sommer ist das anders. Angesichts der Bilder von sinkenden Schiffen im Mittelmeer, verzweifelten Familien vor der verschlossenen Grenze in Mazedonien und – spätestens jetzt sind wir „betroffen“ – brennenden Flüchtlingsheimen in Deutschland sollte jeder auf die folgende Frage eine Antwort haben:

Wofür stehe ich?

Außerdem sollte jeder seine Haltung auch vertreten, für sie – ohne Aggression – streiten. Hierfür ist jedes noch so kleine Netzwerk, privat oder öffentlich, online oder offline, groß genug.

Ich schreibe sonst über schöne Reiseerlebnisse mit meinen Kindern. Jetzt stelle ich mir vor was es bedeuten würde, wenn ich mich nicht mehr entscheiden könnte wohin und wie lange ich mit meinen Kindern auf die Reise gehe. Stattdessen müsste ich meine Kinder mit auf eine Reise nehmen von der ich nicht weiß wohin sie führt und wie sie enden wird. Ich weiß nur eines: Ich habe kein sicheres zu Hause mehr in das ich mit meiner Familie zurückkehren kann wann ich will.

Menschen mit dieser Geschichte kommen jeden Tag zu uns. Wir sollten ihnen helfen!

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Mittsommer am Vänern-See

Mittsommer und Schweden. Diese zwei Worte klingen zusammen schon wie eine Verheißung nach endlosen, hellen Sommernächten. Menschen in traditioneller Tracht, Frauen mit Blumenkränzen und ausgiebiges Essen und Trinken unter freiem Himmel sind unsere Bilder vom Mittsommer.

Auf unserer bisherigen Reise hat uns Schweden mit seinen positiven Klischees nicht enttäuscht. Wir sind gespannt ob dies auch für den Mittsommer gelten würde.

Da vor allem im Norden Schweden noch traditionell Mittsommer gefeiert wird, sind wir dem Mittsommer möglichst weit entgegengefahren. Und da die Schweden am Mittsommerwochenende die Stadt verlassen und in ihre Ferienhäuser am See fahren, wollten auch wir diese Zeit irgendwo in der Natur verbringen. Letztlich haben wir es bis an das Nordufer des Vänern-Sees geschafft und bei Säffle einen schönen Campingplatz direkt am See gefunden. Der Mittsommerabend konnte also beginnen.

Mittsommerbaum

Aber so wie auch in Deutschland im Oktober nicht alle Frauen im Dirndl rumlaufen, so tanzen auch nicht alle Schweden am Mittsommerabend um den Mittsommerbaum herum. Um ein traditionelles, unseren mitgebrachten Bildern entsprechendes Mittsommerfest zu erleben, hätten wir wohl noch etwas weiter nordwärts bis zum Silijan-See fahren müssen.

Sonst ist Mittsommer zwar neben Weihnachten der bedeutenste Feiertag in Schweden, allerdings wird er weniger öffentlich, sondern eher privat im Kreise mit Familie oder Freunden begangen. So war es auch auf unserem Campingplatz wo sich an diesem Abend viele Gruppen in gemieteten Hütten oder gemeinsam vor ihren Wohnwägen zusammensaßen. Dabei geht es durchaus feucht-fröhlich zu und die sonst eher leisen und zurückhaltenden Schweden sind auf einmal sehr lebhaft.

Ein traditionelles Volksfest haben wir also am Mittsommerabend nicht miterlebt, dafür aber einen wunderschönen, langen Sommerabend. Das Besondere ist die unvergleichliche Stimmung, mitten in der taghellen Nacht die einsame Stille des Sees zu genießen:

Mittsommer Vänernsee

Mittsommer Vänernsee

Mittsommer Vänernsee

Mittsommer Vänernsee

 

Großer See, kleines Land: Durch Dalsland an den Vänern-See

In Vänersborg erreichen wir von Süden aus erstmals das Ufer des Vänern-Sees. Allerdings hat der Vänern recht wenig mit den kleinen, dunklen Seen zu tun, die man eigentlich aus seinen Astrid Lindgren-Erinnerungen mit Schweden verbindet. Beim Blick auf die endlose Wasserfläche, die sich bis zum Horizont ausbreitet, fühlen wir uns wieder an die Meeresküste zurückversetzt. Die Dimensionen des Vänern – angeblich zehnmal!!! so groß wie der Bodensee – lassen die Bezeichnung See als leichte Untertreibung erscheinen.

Vänernsee Vänernsee Wir sind weiterhin auf dem Weg nach Norden und durchqueren dabei die gesamte Provinz Dalsland, die sich entlang des Westufers des Vänern erstreckt. Dabei steht die Weite des „Sees“ im Gegensatz zu dem gemütlichen Charakter der Landschaft in Dalsland. Wir haben die schwedischen Klischees gesucht, hier finden wir sie: rote Häuer, schwedische Fahnen, sanfte Hügel, dichte Wälder, weite Blumenwiesen und unzählige Seen. Kleine Seen und große Seen, aber allesamt kleine Punkte auf der Landkarte im Vergleich zu der riesigen Wasserfläche des Vänern-Sees, an deren Ufer wir nordwärts fahren. Dalsland erscheint uns wie ein großes Freilichtmuseum, das alles was nach unseren Vorstellungen schwedisch ist auf kleinem Raum vereint.

Dalsland Dalsland Dalsland Dalsland 2015 06 21_6804In Dalsland verändert sich auch die Landschaft. War die Südspitze Schwedens noch von weiten Feldern mit einzelnen Waldstücken geprägt, wird die Gegend hier immer waldreicher. Wir trauen uns, mit unserem über 3 Meter hohen Wohnmobil die Fernstraße E45 zu verlassen und begeben uns auf die Nebenstrecken. Langsam tasten wir uns über die schmalen, kurvenreichen Straßen durch die Wälder, nicht ohne gelegentlich mit dem Dach einige Bäume zu streifen. Viele Kilometer kommt uns kein anders Auto entgegen, nur vereinzelte Holzhäuser hinter den Bäumen sind ein Zeichen von etwas Zivilisation. Wir fragen uns, an wie vielen Elchen wir wohl vorbei gefahren sind, die direkt neben der Straße im dichten Wald stehen. Zu Gesicht bekommen wir jedenfalls keinen, nur ein Fuchs kreuzt unseren Weg. Nach einiger Zeit stoßen wir dann wieder auf die E45, die parallel zum gesamten Westufer des Vänern verläuft. Ein Ziel für einen Zwischenstopp bei unserer Fahrt durch Dalsland ist Haverud, wo sich Straßen-, Wasser und Schienenwege kreuzen. Bekannt ist der Ort – eigentlich eine verstreute Ansammlung von Häusern – für sein Aquädukt bei dem der künstlich angelegte Dalsland-Kanal in einer Brücke über eine Schlucht geführt wird und gleichzeitig noch von einer Eisenbahnbrücke überquert wird. Um dieses kreuz und quer noch zu steigern, kann man sich diesen Verkehrsknoten sehr gut von der noch höher gelegenen Straßenbrücke ansehen.

Haverud Haverud Wir haben Glück und können auch einem Schiff bei seiner Passage durch die Schleuse und die Brücke zusehen. Danach geht es für uns weiter nordwärts an das Nordufer des Vänern, der Mittsommernachtssonne entgegen.

Nordwärts entlang Schwedens Westküste: Wind, Sand und die Herausforderung Dauerregen im Wohnmobil zu überstehen

Eine Reise im Wohnmobil beginnt ja selten entspannt. Es geht schon los mit dem Gepäck. Wem das übliche Kofferpacken zu viel ist, der sollte am besten gar nicht versuchen, ein ganzes Wohnmobil zu bepacken. Sobald man dann auf der Straße ist geht es in den ersten Tagen darum, möglichst viele Kilometer abzureißen. Wenn es aber gelingt, diese kritische Anfangsphase ohne größeren Familienzwist zu überstehen, sind die Aussichten auf eine entspannte Reise eigentlich ganz gut, vorausgesetzt . . . ja vorausgesetzt es regnet nicht.

Auch in unseren Reiseplanungen waren mehrtätige Regenfälle nicht vorgesehen. Nach der Anreise auf der „Vogelflug-Route“ über Fehmann, Kopenhagen und Helsingborg, wollen wir hier an der Westküste Schwedens erst einmal einige Tage Strandurlaub genießen. Danach soll es weiter Richtung Norden gehen. In der Nähe von Halmstad an Schwedens Westküste haben wir mit Tylösand hierfür einen Badeort gefunden, der vor allem für seinen schönen, langen Sandstrand bekannt ist.

Erste Zweifel an unserer Idee, Mitte Juni in Südschweden Strandurlaub zu machen, kommen dann bei der Fahrt auf den Campingplatz auf. Der First Camp Tylösand ist wunderschön zwischen den Dünen und Kiefernwäldern gelegen und ein perfekter Ort für einen Badeurlaub. Das Meer kann man fast hören und erreicht es auf einem schönen Holzpfad durch die Dünen zwischen Heckenrosen und Schilfgrass hindurch. Zu dieser Zeit sind wir auf dem weitläufigen Geländer allerdings mit einer Handvoll anderen Wohnmobil-Reisenden und einigen Dauercampern fast allein. Restaurant, Kiosk, Spielhaus haben entweder noch gar nicht oder nur sehr eingeschränkt geöffnet. Es ist eben noch Vorsaison und offensichtlich haben auch die schwedischen Wochenend-Camper den Wetterbericht gehört und sind zu Hause geblieben.

Bald nach unserer Ankunft fängt es an zu regnen. Dicke Regentropfen prasseln den ganzen Tag auf unser Wohnmobil-Dach und schon nach kurzer Zeit hat sich direkt vor der Tür ein riesiger See gebildet. Unsere Draußen-Aktivitäten beschränken sich an diesem Tag auf einen Spaziergang über den Campingplatz von dem wir schnell mit durchnässter Kleidung zurückkehren. Abends legen wir uns Schlafen in der Hoffnung am nächsten Morgen von der Sonne geweckt zu werden. Doch schon beim ersten Blick aus dem Fenster die Ernüchterung. Was also tun? Weiterfahren ist keine Alternative. Sind wir doch gerade hier, um nach der langen Anreise etwas Ruhe in unseren Reiseablauf zu bringen. Also versuchen wir uns einzureden wie gemütlich es doch beim Campen ist, wenn draußen die Welt untergeht. Warmer Kakao, Spiele, Bücher und viele Legosteine sind das Programm für diesen Tag. Das funktioniert erstaunlich gut. Auch eine Kissenschlacht auf der großen Liegefläche im Heck und der Spaß, die Fenster-Rollos zum x-ten Mal hoch und runter zu ziehen, helfen die Stimmung aufrecht zu erhalten. Am Ende des Tages fällt dann eher uns Eltern die Wohnmobildecke auf den Kopf.

Letztlich wird unsere Geduld dann doch belohnt. Am letzten Tag in Tylösand machen wir uns auf den Weg durch die Dünen zum Strand. Dort fegt uns der Wind hart ins Gesicht, die Wellen versprühen Gischt, es riecht nach Seetang. In der Hochsaison im Juli und August muss Tylösand ein ziemlich überlaufener Badeort sein, wie wir auf einigen Postkarten sehen können. Wir sind froh, diesen wunderschönen Strand heute fast für uns alleine zu haben und von seiner rauen, ursprünglichen Seite kennen zu lernen. So klappt es zwar an Schwedens Westküste nicht mehr mit dem erhofften Badetag, aber stattdessen mit ein paar schönen Stunden am Strand bei blauem Himmel, Sonne, frischem Wind und ganz viel Sand zwischen den Zehen, in den Schuhen und im Wohnmobil.

Elternzeit die Zweite: Bleibt alles gleich oder wird alles anders?

Gibt es im Leben einen Replay-Knopf? Sollte man versuchen, schöne Momente in ähnlicher Form zu wiederholen?

Diese Fragen haben wir uns bei der Planung unserer zweiten Elternzeit-Tour mehrmals gestellt. Über die Eindrücke unserer ersten Elternzeitreise mit dem Wohmobil nach Norwegen habe ich in diesem Blog ja an anderer Stelle schon berichtet. Diese liegt mittlerweile eine längere Zeit zurück, aber die Erinnerungen an die intensive, gemeinsame Zeit halten noch immer vor und sind im Alltag eine wichtige Kraftquelle. Aber Erinnerungen sind auf Dauer nicht genug. Daher wollten wir uns ein Jahr nach der Geburt unseres zweiten Kindes wieder eine etwas längere Auszeit nehmen und diese für eine gemeinsame Reise nutzen.

Das Reiseziel stand dabei schnell fest. Es sollte wieder nach Skandinavien gehen. Nachdem wir beim letzten Mal die wilden Berge, eisigen Gletscher und tiefen Fjorde Norwegens erfahren haben, wollten wir diesmal die weiten Wälder, klaren Seen und idyllisch-bunten Dörfer Südschwedens kennenlernen. Nach der Anreise über Dänemark sollte es zunächst entlang der Westküste nordwärts gehen. Nach Umrundung des riesigen Vänern-Sees wollten wir dann auf einer der unzähligen Schäreninseln an der Ostküste entspannen und von dort wieder langsam an den Südzipfel Schwedens zurückkehren. Damit wir als Stadtmenschen nicht von soviel Natur überfordert werden, würden wir mit Kopenhagen und Stockholm auf diesem Weg auch zwei skandinavische Hauptstädte besuchen, die wir bisher nicht kannten. Natürlich dürfen auch Michel, Pippi & Co. nicht fehlen wenn man nach Südschweden fährt. Eine Besuch der Astrid Lindgren Welt in Vimmerby war daher auch fest im Reiseverlauf eingeplant.

Unser Bild von Südschweden vor Reisebeginn. Würden sich alle Klischees erfüllen?

Weniger klar war dagegen die Art der Reise. Sollten wir uns dabei von den guten Erfahrungen unserer ersten großen Reise leiten lassen oder doch besser etwas Neues ausprobieren? Vielleicht war das Besondere an unserer Norwegen-Tour ja auch nur die Magie des ersten Mals: Das erste Mal im Wohnmobil on the road. Das erste Mal überhaupt als Familie gemeinsam auf großer Reise. Würde was mit einem einjährigen Kind funktioniert hat auch mit zwei Kindern mit Altersunterschied und ihren jeweiligen Bedürfnissen funktionieren?

Dabei trieben uns ganz praktische Zweifel um: Wie klappt das mit dem Einschlafen wenn wir alle vier auf engstem Raum zusammen sind? Reicht der Platz im Wohnmobil für Klamotten, Windeln, Spielzeug, etc.?

Wir waren kurz davor, uns ein Ferienhaus an einem schönen Ort zu reservieren. Letztlich machten wir uns dann aber doch wieder auf den Weg zur Wohnmobil-Vermietung. Warum? Vielleicht gerade weil wir so viele offene Fragen hatten und dieses Kribbeln wieder da war, das man spürt wenn man sich auf etwas Ungewisses einlässt. Wir hatten einfach Lust, gemeinsam zu viert dieses kleine Abenteuer in Angriff zu nehmen. Trotzdem war da – zumindest bei uns Eltern – auch ordentlich Respekt vor dieser Reise. Würden wir es schaffen, die unterschiedlichen Interessen, Erwartungen und den individuellen Rhythmus von uns allen auf engstem Raum für drei Wochen zusammenzubringen? Ob uns dies gelungen ist und welche Eindrücke man als Familie im Wohnmobil in Schweden so alle sammeln kann, davon erfahrt ihr in den kommenden Wochen mehr hier auf Kids-Trips.

Ich würde mich freuen wenn ihr uns auf unserer Reise durch Südschweden begleitet.