Märkte, Strände und eine Geisterstadt – Unterwegs im Südosten von Mallorca

S‘Amarador – Auf der Suche nach dem Traumstrand

Cala Santanyí ist ein herrlicher Ort um sich abseits von jedem Trubel zu erholen und schöne Strandtage zu genießen. Durch die Lage in einer abgelegenen Bucht mit wenig Ablenkung und keinem Nachtleben lädt der Ort dazu ein, einen Gang zurückzuschalten. Sollte man doch irgendwann das Bedürfnis haben, seinen Aktionsradius zu erweitern, bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. So sind die unmittelbaren Nachbarbuchten Cala Llombards und Cala Figuera mit einer kleinen Wanderung zu erreichen. Besonders die Wanderung in den Nachbarort Cala Figuera über den Klippenweg ist lohnenswert und auch mit Kind im „Rucksack“ bequem und ungefährlich zu absolvieren.

Mallorca_Santanyi_Klippenwanderung

Etwas weiter entfernt liegt der Strand S‘Amarador im Naturschutzgebiet Mondrago, der laut diverser Reiseführer als einer der schönsten Strände der Insel gilt. Also leihen wir uns am hoteleigenen Fahrradverleih drei Helme, zwei Fahrräder und einen Kindersitz und machen uns auf die Suche nach unserem Traumstrand.

Über Nebenstraßen, entlang halbhohen Steinmauern fahren wir durch das „andere“ Mallorca. Hierbei werden alle Klischees bedient. Von der Finca mit dem großen, schmiedeeisernen Tor vor der langen Einfahrt, über kleine von Olivenbäumen durchsetzte Ackerflächen mit gepflügter, rötlicher Erde bis zu den Ausblicken über die Felsen auf das tiefblaue Meer.

Unterwegs begegnet uns fast niemand. Nur die Tiere entlang der Strecke sind ständiger Begleiter. Pferde, Esel, Ziegen mit Glocken und Schweine auf dem freien Feld, die vor so viel Glück bald platzen. Die Harmonie wird nur durch die freilaufenden Hunde gestört, die jede Hauseinfahrt lautstark verteidigen und uns einige Meter verfolgen.

Mallorca_Santanyi_Landschaft

Mallorca_Santanyi

Der Weg ist das Ziel. Aber in diesem Fall ist auch das Ziel den Weg wert:

Mallorca_S'Amarador_Bucht

Mallorca_S'Amarador_Meer

Mallorca_S'Amarador_Strand

Markttag in Santanyí

Santanyí liegt etwa fünf Kilometer im Landesinneren und könnte in jedem Reiseprospekt als typisch mallorcinischer Ort auftauchen. Neben dem schönen alten Ortskern wird der Ort aber vor allem aufgrund seines Marktes in allen Reiseführern genannt. Mittwochs und samstags Vormittag herrscht Ausnahmezustand in dem kleinen Ort. Die Menschen drängeln sich durch die dichten Gassen, die Reisebusse reihen sich an der Hauptstraße auf und warten auf ihre Reisegruppen und wer mit dem Auto gekommen ist, sucht zwischen den Häuserwänden nach der letzten noch so kleinen Parkmöglichkeit.

„Ein schlechter Trödelmarkt“ hatten wir von einer erfahrenen Mallorca-Urlauberin im Hotel vernommen. Hingefahren sind wir trotzdem und obwohl der Markt sehr touristisch geprägt ist und man auf den Straßen mehr Schwäbisch und Sächsisch als Spanisch hört, war es ein lohnenswerter Ausflug.

Vor allem die Gemüsestände sind allein schon farblich ein Genuss. Daneben gibt es natürlich das obligatorische Kunsthandwerk und von Olivenöl, Schinken, Kräutern bis zu Käse alle denkbaren mediterranen Delikatessen. Ob man dann tatsächlich für 7 EUR ein Stück Ziegenkäse kaufen muss, der wie sich später herausstellt gar nicht von Mallorca kommt, sollte jeder selbst entscheiden.

Mallorca_Markt Santanyi_II

Mallorca_Markt Santanyi_III

Santanyi

Colonia St. Jordi – Das Gesicht der spanischen Immobilienkrise

Wir sitzen in einer Bar mit Blick auf den Yachthafen. Wir sind fast alleine dort. Der Kellner vertreibt sich die Zeit mit dem Abwischen der Tische. An den Tischen, die er in Erwartung weiterer Gäste putzt, hat die letzten Tage und Wochen niemand Platz genommen. Auch morgen und übermorgen wird der Mann wohl vergeblich auf mehr Gäste warten. Im gegenüberliegenden Hafen schaukeln hunderte Yachten und Motorboote auf dem Wasser, festgebunden an den Stegen, die weit in das Hafenbecken hineinführen. An einem Kiosk unterhalten sich ein paar Leute. Ansonsten ist weit und breit niemand zu sehen, der mit den Booten auf das Meer und in die vielen schönen Badebuchten fahren könnte.

Wir befinden uns in Colonia St. Jordi, einem bekannten Hafenort im Südosten Mallorcas, der in der Nähe des bekannten Dünenstrands „Es Trenc“ liegt. Der Ort ist vor allem Urlaubsziel von Spaniern. Hier gibt es keine großen Hotelbauten, sondern vor allem Ferienhäuser und Apartmentanlagen. Es ist Mai und damit noch Vorsaison. Doch das ist offensichtlich nicht der einzige Grund für die ungewöhnliche Ruhe und Leere, der wir hier begegnen. Was fehlt sind die üblichen geschäftigen Vorbereitungen für die bald beginnende Sommersaison. Niemand werkelt an den Booten herum. Nirgendwo renovieren Handwerker die Ferienwohnungen und Apartments für die kommenden Gäste. Auch die Besitzer der Restaurants und Geschäfte machen nicht den Eindruck, sich mit Vorfreude auf die Saison vorzubereiten. Hier wird es auch in den kommenden Monaten wahrscheinlich nicht viel anders aussehen als heute.

Den Grund dafür finden wir bei einem Spaziergang durch die Straßen hinter der Strandpromenade. Hier stehen auf beiden Seiten der Straße nagelneue Häuser mit Apartments und Ferienwohnungen, die noch niemals bewohnt wurden. Alle stehen zum Verkauf oder sind – auch monatsweise – zu vermieten. Dazwischen immer wieder Baulücken mit halb fertiggestellten Häusern.

Colonia St. Jordi ist das Gesicht der spanischen Immobilienkrise. Der Bauboom hätte den Ort im besten Fall zu einer künstlichen Welt für Teilzeitbewohner gemacht. Genau wie die Yachten im Hafen waren auch die Immobilien nie für eine reale, dauerhafte Nutzung gedacht. Die Spekulation hat den Ort entfremdet und zur Illusion auf den Hochglanzprospekten der Immobilienmakler gemacht.

Leider ist dieser beste Fall nicht eingetreten. Die spanische Immobilienblase ist schon vor einigen Jahren geplatzt und hat Orte wie Colonia St. Jordi teilweise zu einer Geisterstadt gemacht. Hinter der Fassade der Strandpromenade ist kein Leben. Weder auf der Straße noch in den Häusern.

Mallorca_Colonia St.Jordi_II

Mallorca_Colonia St. Jordi_I

Mallorca_Colonia St. Jordi_III

 

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